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Quelle: Bundesagentur für Außenwirtschaft

Gesamtwirtschaftlicher Ausblick
Bukarest (bfai) - Das Wachstum der rumänischen Volkswirtschaft hat sich 2005 gegenüber dem Vorjahr mit einem realen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts(BIP) von 5,0 bis 5,5% deutlich verlangsamt. Die Attraktivität des Landes für ausländische Investitionen ist aber weiter ungebrochen. Überwiegend wird Rumänien inzwischen von den Rating-Agenturen als "Investitionsland mit geringem Risiko" eingestuft.

Die EU-Kommission will im April oder Mai 2006 einen Termin für den EU-Beitritt Rumäniens empfehlen. Offen bleiben kann die Frage, ob das südosteuropäische Land 2007 oder erst 2008 aufgenommen wird, aber noch bis Ende 2006. Sicher ist, dass die liberal-konservative Regierung von Ministerpräsident Calin Popescu Tariceanu alles daran setzen wird, die verbleibenden Hürden zu nehmen. Die fortschreitende Annäherung an die EU und den Binnenmarkt stellen das Rumänien-Geschäft auf eine immer sicherere Basis. Bei Importzuwächsen von Konsumgütern von weit über 20% wird es aber nicht bleiben können. Sowohl die EU als auch der IWF, dessen laufendes Stand-By-Abkommen mit Rumänien im Herbst 2005 "entgleist" ist, drängen das Land, die Fiskal- und Kreditpolitik zu straffen und auch den Lohnanstieg nicht mehr über die Produktivitätsentwicklung hinausschießen zu lassen. Die Wirkungen der Steuersenkung von Anfang 2005 (Flat Rate von 16%) klingen ohnehin ab. Nun soll sich die Konjunktur wieder stärker auf die produktiven Bereiche Industrie, Infrastruktur und Investitionen verlagern. Hier bleiben die Aussichten für deutsche Anbieter noch auf Jahre hinaus sehr interessant.


Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts
Das Wachstum der rumänischen Volkswirtschaft hat sich 2005 deutlich verlangsamt. Die Rate von 8,3% im Jahr 2004 bleibt ein Ausreißer, zu dem die Rekordernte in der Landwirtschaft beigetragen hatte. Der Agrarsektor (-3%) und auch das verarbeitende Gewerbe (bis September nur +1,9%, aber Tendenz steigend) waren 2005 zusätzlich durch mehrere große Überschwemmungen in Mitleidenschaft gezogen. Für 2005 zeichnet sich bei starker Beteiligung des Dienstleistungssektors und der Bauwirtschaft ein realer Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 5,0 bis 5,5% ab. Ein ähnlicher Wachstumstakt ist 2006 in Reichweite, dabei geben erneut die Bauwirtschaft (+10%) und nun auch die Industrie (+5,5%) die stärkeren Impulse. Der Außenbeitrag bleibt noch auf Jahre hinaus negativ.

Investitionen
Überwiegend wird Rumänien inzwischen von den Rating-Agenturen als "Investitionsland mit geringem Risiko" eingestuft. Darauf soll auch ein später EU-Beitrittstermin keinen Einfluss haben. Weitere Liberalisierungen haben das Geschäftsklima ebenso verbessert wie die nun höhere Leistungsfähigkeit des Bankensektor und der Abbau von Subventionen und Interventionen in der Wirtschaft. Investoren beklagen aber weiterhin, dass Entscheidungen der Administration oft noch wenig transparent seien. So sind denn auch Korruption auf hoher Ebene, Unzulänglichkeiten der öffentlichen Verwaltung und die noch nicht umgesetzte Justizreform Kern der Kritik, die die EU-Kommission in ihrem Fortschrittsbericht vom Oktober 2005 vorbringt.

In der Industrie verbessern sich die Voraussetzungen für die Finanzierbarkeit von Investitionen. Die nun weit überwiegend privatisierten Großunternehmen fahren Gewinne ein und nehmen Modernisierungsprojekte in Angriff. Für kleine und mittlere Betriebe verbessert sich der Zugang zu Krediten. Die Ausrüstungsimporte legten im 1. Halbjahr 2005 um 20,5% zu (auf Euro-Basis gegenüber gleicher Vorjahreszeit), ihr Volumen ist aber noch relativ gering (rd. 3,6 Mrd. Euro auf Jahresbasis). Die umfangreichen Investitionen in die Infrastruktur werden sich wegen des großen Mittelbedarfs - trotz EU-Fördermitteln - auf einen langen Zeitraum erstrecken, denn makroökonomisch bleibt Rumänien anfällig und der Staatshaushalt ist wenig belastbar.

Die Attraktivität des Landes für ausländische Investitionen ist ungebrochen, auch wenn das Rekordergebnis aus 2004 (Zufluss: 4,1 Mrd. Euro) 2005 nicht wiederholt werden kann. Die FDI-Agentur rechnet mit einem Zufluss von 3,2 Mrd. bis 3,8 Mrd. Euro. Deutschland rangiert beim Bestand (Ende September 2005: 10,7 Mrd. Euro) auf Platz zwei hinter Italien. Die Lohnvorteile schrumpfen zwar, sind bei durchschnittlichen Bruttomonatslöhnen von rd. 265 Euro (September 2005) - allerdings bei einem Jahreszuwachs von rd. 25% - noch beträchtlich.

Konsum
Die Käufe langlebiger Konsumgüter und von Pkw nahmen 2005 eine stürmische Entwicklung. Oft noch werden diese Güter zum ersten Mal beschafft. Die Einzelhandelumsätze lagen bis August um 18% höher als vor Jahresfrist, im Non-Food-Bereich sogar um 33%. Die Einfuhren von langlebigen Gebrauchsgütern schnellten um 24,2% in die Höhe (1. Halbjahr 2005), von Pkw sogar um 58,8% (jeweils auf Euro-Basis). Ermöglicht hat diesen Boom die rasche Expansion der Verbraucherkredite auch in Form von Leasing-Verträgen (mit Monatsraten von 30 bis 80%, im Jahresvergleich), hohe Reallohnsteigerungen, die Senkung der Einkommenssteuer und nicht zuletzt die Lei-Aufwertung. Ende September hat die Zentralbank dann das Kreditvolumen der Banken begrenzt. Die Inflation kann 2006 voraussichtlich weiter abgebaut werden, aber nicht mehr so schnell wie zuvor (2005 auf rd. 9%), und der Zielkorridor der Zentralbank (4 bis 6%) dürfte außer Reichweite sein.

Außenhandel
Rumäniens Handelsbilanzdefizit weitet sich aus, auch im Verhältnis zum BIP (2005: ca. 10% BIP-Anteil und 2006 über 12%). In den ersten zehn Monaten von 2005 lag der Fehlbetrag um fast 50% höher als ein Jahr zuvor. Die Einfuhren werden wegen des großen Entwicklungsrückstandes des kommenden EU-Landes noch auf Jahre hinaus schneller als die Ausfuhren steigen. Auch Rumäniens Leistungsbilanz gerät immer tiefer in die roten Zahlen. Mit einem BIP-Anteil von rd. -8% in Jahr 2005 und voraussichtlich rd. -10% im Folgejahr bei weiter steigender Tendenz stellt sie eine Stabilitätsgefahr für das Land dar, zumal, wenn der Importsog für Konsumgüter anhält. Die Finanzierung der außenwirtschaftlichen Salden ist bislang wegen der hohen Mitteltransfers von Rumänen, die im Ausland arbeiten, unproblematisch (offiziell: 3,75 Mrd. Euro; inoffiziell vermutlich noch einmal soviel) und auch wegen des Zustroms von Auslandsinvestitionen (ebenfalls knapp 4 Mrd. Euro) sowie künftig verstärkt von EU-Hilfen.

Wirtschaftspolitische Veränderungen

Inzwischen werden in Rumänien 70% vom BIP im privaten Sektor erzeugt. Über die Privatisierung der größten rumänischen Bank, BCR, steht die Entscheidung noch vor Ende 2005 an. Mit dem Rückzug der Deutschen Bank ist indes kein deutsches Kreditinstitut mehr im Rennen. Im Verlauf von 2006 soll dann auch noch die Sparkasse CEC entstaatlicht werden. Im Transformationsprozess gab es 2005 auch Fortschritte bei der Liberalisierung des Energiemarktes und des Kapitalverkehrs. In der Stromdistribution soll die fünfte der acht Gesellschaften Anfang 2006 in private Hände übergehen. Das Auslandsinteresse ist äußerst groß und E.ON, EnBW Energie und RWE Energy befinden sich unter den Bietern.

 

 

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